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chronikwerkstatt


gedenkausstellung
gegen das vergessen
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Zum Andenken an die Menschen, die vor einhundert Jahren in unserem Dorf lebten, haben wir an den Wänden des Clubraums im GZ Bildtafeln gestaltet, die aus dem Leben unserer Groß- und Urgroßeltern erzählen.
Wer sich die Sammlung ansehen will, findet hier eine Beschreibung.

von links:

Reihe 1:



Die Gedenktafel: Die Tafel ist um das Jahr 1921 entstanden und zeitgt die Portraits und Namen der Flaurlinger Kriegsteilnehmer. Leider ist sie nicht vollständig, da es von einigen Personen keine Bilder gab.
Wie es üblich war, befinden sich an der Spitze Bürgermeister Puelacher (ab 1919 im Amt) und Dekan Greil (†1920).
Tafeln dieser Art wurden von der Verlagsanstalt Tyrolia für die Gemeinden gedruckt und waren in vielen Haushalten zu finden.
Wir haben am Flaurlinger Berg bei Hubert Öfner (vlg. Pegrines, †2015) das uns letzte bekannte Exemplar im Dorf gefunden und durften es für diese Ausstellung fotografieren.

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Reihe 2:
unten: Vor Kriegsbeginn war Flaurling ein Dorf, in dem es sich gut leben ließ. Es hatte sich ein gewisser Wohlstand entwickelt, da mit Landwirtschaft, Handwerk, Stromerzeugung und Sommergästen Geld verdient werden konnte. Sommerfrische wurde für Städter (aus Innsbruck, München etc.) modern und es kamen auch in unser Dorf die ersten "Touristen" bzw. "Sommerfrischler". Sie verlebten hier meist mehrere Wochen, freundeten sich mit der Dorfbevölkerung an und kamen im nächsten Jahr wieder. Sie brachten Neues aus der Stadt mit aufs Land (was nicht von allen gutgeheißen wurde).
Dieser Trend zur Erholung in den Bergen bewog die Deutsche Reichsbahn zum Plan einer Eisenbahntrasse von Mittenwald nach Flaurling mit einem 18 km-Tunnel, damit die bayrischen Gäste schnell ins Inntal reisen konnten. Dieser Plan wurde aber nie umgesetzt.
Immer wieder kamen auch Fotografen die von Dorf zu Dorf wanderten, um z. B. Portraits anzufertigen oder Häuser mit ihren Bewohnern aufzunehmen. Für besondere Bilder suchte man das Atelier eines Fotografen z. B. in Innsbruck auf.
oben links: Das Manifest, mit dem Kaiser Franz Joseph I. seinen Völkern den Krieg gegen Serbien ankündigte: Die Kriegserklärung an Serbien war der Auslöser für den 1. Weltkrieg.
oben rechts: Mit dem Verkauf von Bildern, die den alten Kaiser zeigen, wurde Geld für den Witwen- und Waisenfond gesammelt.





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Reihe 3:

Nach der Kriegserklärung bereiteten sich die Männer vor, das Dorf zu verlassen. Beim Wirt wurden sie von den Dorfbewohnern verabschiedet. Sie ließen sich in Gruppen oder einzeln fotografieren. Solche Fotos wurden auch als Postkarte verschickt.
Da kaum jemand, der unter 50 Jahre alt war, Krieg kannte, sahen ja vor allem junge Burschen den Krieg anfänglich als ein spannendes Abenteuer.
Im Oktober organisierte der Burschenverein "Edelweiß" eine Abschieds-Versammlung für neue Rekruten. Dekan Greil mahnte die Burschen, den Kriegsdienst als Gottesdienst aufzufassen. Gemeindevorsteher Grill bedauerte zwar den Verlust der Arbeitskräfte, beglückwünschte die jungen Männer aber, den Rock des Kaisers tragen zu dürfen.
Der aus Galizien zurückgekehrte Hermann Markt (Hiaseler, †29.08.1916, Cortina d' Ampezzo) erzählte von seinen Erlebnissen an der Ostfront, wo er neun Schlachten mitgemacht hatte.
oben: Es waren etliche Flaurlinger von der ersten Mobilmachungswelle betroffen. Sie wussten aber nicht, dass sie an der Ostfront landen und was sie dort erwarten würde, da der Kriegseintritt mit Russland erst am 6. August 1914 erfolgte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Truppen schon nach Serbien unterwegs. Teile dieser Truppentransporte wurden deshalb an die Ostfront, nach Galizien weitergeleitet.



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Reihe 4:



Nach traurigen Abschiedsszenen am Bahnhof wurden die Rekruten in Viehwagons - ausgelegt mit Streu - an die Ostfront, nach Galizien verfrachtet. Es war eine lange Reise ins Ungewisse.
Aus den Städten, in denen die Soldaten Halt machten, sendeten viele eine Postkarte nach Hause, um die Familien über ihren Verbleib zu unterrichten.

unten: Im Dorf wurde das Leben nun schwer, da die Männer fehlten und die Ernte anstand. Mit Flugblättern wurde die Bevölkerung angespornt mehr zu produzieren.
Meist betreuten die alten Männer die Almen, Frauen und Kinder bestellten die Felder. Gefangene Russen wurden für besonders harte Arbeiten, z. B. den Bahnbau, eingesetzt.
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Reihe 5:




Der damalige Gemeindevorsteher Ernst Kuen war einer der ersten, der einrücken musste. Nach einer Erkrankung verstarb er auf dem Rücktransport aus dem Feld im Hilfsspital in der Stadt Wels, wo heute noch sein Grab gepflegt wird.

oben: Seine Frau Berta schrieb sich das Leid in Form von Gedichten und Balladen von der Seele. Diese sind Basis des Chronik-Projekts "NachtSchatten".

1917 folgte sie nach schwerer Krankheit und vom Schmerz gebrochen ihrem Mann nach. Ihre fünf Töchter (zwischen 7 und 16 Jahre alt) waren nun Vollwaise und kamen als Ziehkinder zu verschiedenen Familien im Dorf.
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Reihe 6:



oben: Przemysl - Galizien: An der Ostfront kam es zu schrecklichen Gemetzeln gegen die kampferprobte (Türkenkriege) russische Armee des Zaren.

unten: Viele Tiroler fanden bei diesen Schlachten den Tod. Für die Hinterbliebenen wurde der Witwen- und Waisenfonds gegründet. Er wurde aus Spenden der Bevölkerung gespeist und für die Witwen- und Waisen der Gefallenen verwendet.
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Reihe 7:



Zeichnungen von der Westfront: Georg Ligges, der Vater von Jörg und Wulf Ligges, lebte vor dem Krieg in Osttirol. Bei Kriegsbeginn meldete er sich freiwillig zum Militär und wurde an der Westfront eingestzt. Bis 1917 war er im Stellungskrieg in der Nähe von Arras. Anschließend wurde er nach Ypern verlegt, wo die Artilleriekämpfe gegen die englische Armee stattfanden.

Als begabter Zeichner nutzte er die Kampfpausen und dokumentiert mit Skizzen Menschen, Landschaft, Waffen und Trümmerfelder der Umgebung. Unter anderem sind auch diese Zeichnungen zur Zeit im Lauterach (Vorarlberg) in einer Ausstellung (Vorarlberger Landesmuseums) zu sehen. Für unsere Ausstellung wurden sie uns von Wulf Ligges zur Verfügung gestellt.
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Reihe 8:



Flaurling hatte an diesen Krieg 16 Männer verloren. Fünf davon waren verheiratet und hatten Kinder. Der Erste, der gefallen ist, war Josef Praxmarer (Mötzer). Er war gerade 24 Jahre alt und frisch verheiratet, als er am 18. September 1914 in Sjitomir verstarb, nachdem er bei den Kämpfen bei Lublin schwer verwundet wurde.
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Schnelle Übersicht:
aus
wegweiser durch die gedenkausstellung

aus
projekt NachtSchatten

sara
28. juni 1914
das attentat von sarajevo

28. juli 1914
kriegserklärung
og
Zum Andenken an die Gefallenen des I. und II. Weltkriegs