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chronikwerkstatt


Gemeindeangelegenheiten
1945 - 1948
"Verwaltung erscheint der Bevölkerung oft als willkürlich, ist aber mit übergeordneten Instanzen wie Land oder Bund in ein Netz von gegenseitigen Abhängigkeiten eingebunden."(Sabine Pitscheider)



dorfansicht
Ein Teil des Gemeinderates beim Umgang in der Salzstraße



Ein Blick auf die Gemeindeverwaltung kurz nach Ende des 2. Weltkriegs

Im Mai 1945 hatten die einmarschierenden US-Truppen die Bürgermeister der Gemeinden überprüft. Jenen, denen eine Nähe zum Nationalsozialismus nachgewiesen wurde, wurden abgesetzt und verhaftet. In Flaurling scheint das nicht notwendig gewesen zu sein, denn die vorliegenden Gemeinderatsprotokolle nennen Josef Schreier als Bürgermeister von April 1939 bis Februar 1950.
Die Verwaltung unterlag bis Juli 1945 der zentralistisch ausgerichteten Deutschen Gemeindeordnung, die durch das Vorläufige Gemeindegesetz (VGemG) - beruhend auf dem Reichsgemeindegesetz 1862! - abgelöst wurde. Nachdem im November 1945 Nationalrat und Landtag erstmals wieder demokratisch gewählt wurden, war es der Wunsch der Bevölkerung, auch den Gemeinderat möglichst rasch direkt zu wählen. Da die Gemeindewahlordnung auf jener des Jahres 1928 beruhte, also entsprechend veraltet war, einigte man sich aber, das Ergebnis der Landtagswahlen auf den jeweiligen Gemeinderat umzulegen. In unserem Bezirk verteilten sich die Stimmen auf ÖVP mit 72,3 %, SPÖ 25,9 % und KPÖ 1,8 %. Die Bezirkshauptmannschaft beauftragte die Bürgermeister, das Ergebnis umgehend umzusetzen und Gemeindevorstände aus den Reihen dieser Gemeinderäte zu wählen. In Flaurling geschah dies in der Sitzung im Jänner 1946 mittels Stimmzettel. Es sollte Dezember 1948 werden, bis die Tiroler Gemeindeordnung erlassen wird und der Weg für demokratische Gemeinderatswahlen im März 1950 frei ist.
1946

Alm
Die alte Almhütte
Das Jahr begann mit der schon erwähnten Wahl der Gemeinderäte. In den insgesamt acht Sitzungen standen Sozialleistungen, Lohnerhöhungen für E-Werkangestellte (25 % und 35 %), Wohnungsvergaben, Bestellung der Glocken, Befürwortung des Baus eines neuen Schulhauses, der Straßenbau und Staubfreimachung der Wege auf der Tagesordnung.
1947

umgang
Gemeinderat beim Umgang
Betrafen die Beschlüsse bis zu diesem Zeitpunkt eher die Umverteilung der geringen Ressourcen, so wurde die Gemeinde ab dem Jahr 1947 wieder wirtschaftlich aktiv. In 7 Sitzungen kümmerte sich der Gemeinderat um die Stromtarifanpassung und Lieferverträge des E-Werks. Die Einbringung der Getrünkesteuer wurde geregelt, erste Bauansuchen gingen ein und der Neubau der Almhütte - mit Hilfe von Gemeindeschichten - wurde beschlossen. Flaurling trat dem Gemeindeverband, der Grundverkehrskommission, dem Tiroler Hilfswerk bei und war damit in dessen Ausschüssen vertreten.
1948

hag
Hirten in der Hagalm
Die elf Sitzungen dieses Jahres dokumentieren den angehenden "Bauboom": Die Alm wurde fertiggestellt, die Gemeindesüge ("Elferhaus") ausgebaut und um eine Werkswohnung erweitert. Es liefen Verhandlungen zum Bau eines Hochwasserdamms und zur Erweiterung des Lagerhauses am Bahnhof. Personell wurde Ernst Höpperger als Waldaufseher angestellt, Betriebsleiter Friedrich Fischer für 40 Dienstjahre geehrt und die Höhe des Weihnachtsgelds beschlossen. Weitere Beschlüsse betrafen das Ansuchen um das Gastgewerbe für die Alm, der Preis für gesammelte Mäuse oder Ansuchen um Steuernachlässe (Hundesteuer für Pfarrer Hammerle wurde nicht erlassen) und Unterstützungen für Bedürftige.
Die Übergangsregierung

bgm
Bürgermeister Josef Schreier und
Gemeindesekretär Karl Gruber.
Bis dahin waren es Bürgermeister Josef Schreier, die Vizebürgermeister Johann Schweigl, Leopold Öfner und Rudolf Reiter, die Gemeinderäte Josef Erhart, Alfred Gruber, Josef Haider, Ernst Köll und Johann Lair, die die Geschicke unseres Dorfes lenkten.
Die Sitzungen fanden ab 1946 nicht mehr in der Gemeindekanzlei (im Mötzerhaus), sondern beim Bürgermeister statt und wurden von ihm persönlich protokolliert.
Eine Ausnahme war die jährliche Hutvergabe (Fraßmontag), an der auch Vertreter der Pollinger Gemeindeführung teilnahmen. Diese Sitzungen wurden abwechselnd in den Gasthäusern beim "Bartl" und beim "Ladner" abgehalten und von Gemeindesekretär Karl Gruber protokolliert.
1945

Huten
Auszug aus dem Gemeinderats-
protokoll vom 28.05.1945
Aus den Protokollen in der Chronik geht hervor, dass in der ersten Gemeinderatssitzung nach Kriegsende über die Hutvergabe und den Alpmeister abgestimmt wurde. Die Unsicherheit und Knappheit jener Zeit wird offensichtlich, wenn man die Festlegung des Lohns der Huten betrachtet. Es wird für die Kanzingbachalpe pro Stück Vieh ein Laib Brot beschlossen. Der angemessene (Geld-)Preis sollte aber erst im Herbst mit RM 8,- pro Stück Vieh bestimmt werden. Für die Schafhut wurde, neben dem Laib Brot pro fünf Schafe, als Lohnbemessung der Höchstpreis für 2,5 kg Schaffleisch (Lebendgewicht) im Herbst beschlossen. In den fünf Sitzungen des Jahres wurden weiter die Jahresrechnung des E-Werks vorgelegt und eine Spende von RM 1.000,- (das Schillinggesetz kam erst mit Dezember 1945) für das zerbombte Reith, die Holzumlage und Holzschlägerungen, die Einführung einer dritten Schulklasse und die Besetzung des Schulrates beschlossen. Es musste über die Gemeindefelder für die Stierhalter und den Lohn für Gemeindearbeiten (Schichten) entschieden und der Archmeister neu bestellt werden.


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